Garantiert Deutsche Wertarbeit

Ungewöhnliche Berufswahl: 21-Jährige macht die besten Sättel in Sachsen!

22.05.2017zurück
  • Sachsens jüngste Sattler-Meisterin Theresa Wolf (21) bleibt nach großen Zweifeln ihrem seltenen Handwerk treu.
Leppersdorf - Sie hatte Zweifel während der Ausbildung, wollte schon umschulen. Doch dann entschied sie sich doch für ihr seltenes Handwerk: Theresa Wolf (21) will als jüngste Sattlermeisterin Sachsens ihren Familienbetrieb in fünfter Generation weiterführen.

„Du bist mir nicht böse, wenn ich die Ausbildung mache und danach nie wiederkomme“, warnte Theresa ihren Vater Gunter Wolf (54). Zum Glück kam es anders.

Schon als Sechsjährige stand sie in der Leder-Werkstatt, schaute ihrem Großvater Wolfgang Thielemann (Enkel des Firmengründers) zu, half in den Ferien mit. „Ich mochte den Geruch von Leder. Es fühlt sich toll an, ist lebendig, sieht immer anders aus.“

Als Klassenbeste fing sie nach der zehnten Klasse die Ausbildung zur Sattlerin an. Sie lernte oft bis Mitternacht, brauchte nur zweieinhalb Jahre für die dreijährige Ausbildung. Sie wurde als beste Reitsportsattlerin Sachsens ausgezeichnet, im Bundeswettbewerb wurde sie Zweitbeste. Drei Monate lernte sie auf einer Ranch in Colorado (USA). Zurück in Deutschland wollte sie ihren Meister machen. Doch da das in den 68 Betrieben der Region nicht geht, musste sie nach Bayern. Ein Westernsattel wurde ihr Meisterstück.

Und dennoch nagten Zweifel an Sachsens jüngster Sattler-Meisterin. „Die Konkurrenz aus Indien und Tunesien arbeitet viel billiger, der Markt ist schwierig“, sagt Theresa. „Und man arbeitet ohnehin sehr viel und verdient wenig. Darum wollte ich zur Industriekauffrau umschulen.“ Sie haderte, entschied sich dann aber doch für ihr Herz! Und für Leppersdorf (1000 Einwohner). „Ich fühle mich hier gebraucht, es ist unser Familienbetrieb.“ Im April stieg sie als Juniorchefin ein, fertigt jetzt traditionelle Taschen, Messerscheiden, geht in ihrem Handwerk auf.

„Doch alles richtig gemacht“, lacht sie heute. Und auch Vater Gunter ist froh: „Wir feiern in diesem Jahr 120-jähriges Betriebsjubiläum und sind glücklich, dass sie den Familienbetrieb weiterführen will ...“



Im Betrieb fertigt Juniorchefin Theresa an der Nähmaschine auch Ledertaschen.


Feinste Handarbeit: Mit einem Punziermesser verziert Theresa einen Sattel.


Lederwaren Thielemann in Leppersdorf: 1912 arbeiteten hier Moritz Thielemann und seine Frau Berta. Heute läuft der Familienbetrieb in fünfter Generation im Haus gegenüber weiter.

Artikel von Hermann Tydecks, Morgenpost Dresden, erschienen am 22.05.2017
Thielemann Lederwaren
Made in Germany

Hier finden Sie uns