Garantiert Deutsche Wertarbeit

Mit 21 auf den Chefsessel

12.04.2017zurück
  • Theresa Wolf mit ihrem Meisterstück, einem Westernsattel. Die 21-Jährige erhielt dafür die höchste Punktzahl aller Absolventen. An dem Sattel stimmt jedes Detail. Das Prunkstück ist im Werksverkauf der Ledermanufaktur zu bewundern.
Theresa Wolf aus Leppersdorf gehört zu den besten Sattlerinnen Deutschlands. Jetzt steigt sie in die elterliche Firma ein.

Von Thomas Drendel

Theresa Wolf ist mit ihren 21 Jahren in einem Alter, in dem andere ein Auslandspraktikum beginnen, ein Freiwilliges Soziales Jahr einschieben oder mit der Lehre beziehungsweise mit dem Studium beginnen. Theresa Wolf übernimmt eine Firma. Sie ist Juniorchefin im Betrieb ihrer Eltern, der Ledermanufaktur Thielemann in Leppersdorf. „Mein Vater bleibt weiterhin Geschäftsführer. Er kennt sich mit der Buchhaltung aus. Ich bin für das Fachliche zuständig, für die Taschen-Kollektion und für das Marketing“, sagt die junge Frau.
Erst wenn er in Rente geht, dann könne man wirklich von einer Firmenübergabe sprechen. Für das Fachliche gibt es keine Bessere. Sie hat die Lehre in zweieinhalb statt in drei Jahren absolviert. Einen Landeswettbewerb der besten Sattler-Lehrlinge in Sachsen gewann sie souverän. Einige Monate später beim Bundesvergleich kam sie auf den zweiten Platz. Mit Kreativität und handwerklichen Fähigkeiten überzeugte sie die Jury. Die Verbindung zum Werkstoff Leder ist eine von Kindesbeinen an. Der Geruch, die Geschmeidigkeit des Leders, das ist etwas ganz Besonderes, sagt sie. Schon damals ist Theresa Wolf öfter in der Werkstatt und schaut ihrem Großvater Wolfgang Thielemann, Enkel des Firmengründers, über die Schulter. Später hilft sie in den Ferien aus. Nach der Lehre kam unmittelbar die Meisterausbildung. Sie arbeitete in einer Sattlerfirma im Sauerland und drückte freitags und sonnabends die Schulbank. Auch dieser Abschluss gelingt ihr mit Bravour. Ihr Meisterstück, ein Westernsattel, erhält die Höchstpunktzahl in ihrem Absolventenjahrgang.
Mittendrin im Meisterlehrgang kamen die Zweifel. Ist der Beruf wirklich das Richtige? Mit 21 Jahren zurück nach Leppersdorf und in die Firma einsteigen, will ich das wirklich? Die junge Frau kündigte in ihrem Betrieb und setzte sich ins Flugzeug und düste in die USA. „Ich hatte von einem Arbeitskollegen von einer Ranch in Colorado gehört. Dort konnte ich endlich einmal Westernsattel in Aktion sehen.“ Zweiter Beweggrund war ihr Englisch. „Mein Schulenglisch war nicht besonders, das wollte ich unbedingt verbessern.“ Auf dieser Rinder- und Bisonranch lernte sie aber auch die Tiere auf die Weide treiben, zu Pferde natürlich und das sogenannte Branding. Dabei werden Rinder mit glühenden Eisen markiert. Nach der Hälfte der Zeit wechselte Theresa Wolf in eine Sattlerwerkstatt. „Dort war ich mit meiner Ausbildung besser aufgehoben.“ Wie sich später herausstellte, war sie bei einem der besten Punzierer der USA gelandet. „Beim Punzieren werden Ornamente, Figuren oder Landschaften in das Leder geprägt. Das ist in den USA ein sehr verbreitetes Handwerk. Dort habe ich viel gelernt.“
Wieder zurück in Deutschland stand ihr Entschluss fest: Den Meisterlehrgang zu Ende bringen und dann in die Firma in Leppersdorf einsteigen. Der Schritt ist ihr nicht ganz einfach gefallen. Das hieß auch Freunde im Sauerland aufgeben und Verantwortung in so jungen Jahren übernehmen. „Das war aber meine ganz persönliche Entscheidung. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich nicht gedrängt haben. Sonst wäre vielleicht alles anders gelaufen.“ Seit Anfang April hat sie ihren Arbeitsplatz in Leppersdorf und sie sprüht vor Ideen. „Ich bin dabei, neue Taschenmodelle zu entwickeln. Das ist der eine Bereich. Dann werden wir die speziellen Wünsche unserer Kunden erfüllen. Der eine möchte eine ganz besondere Tasche, der andere eine Lederscheide für sein Filetiermesser, der dritte beispielsweise eine Lederschürze. Solche Wünsche werden wir Interessenten erfüllen.“ Hinzu kommen Aufträge von Auto- oder Motorradliebhabern. „Eine Werkstatt hat schon angefragt, ob wir da weiterhelfen können.“ Auch das Marketing soll besser werden. „Wir müssen uns verstärkt auf die Möglichkeiten einlassen, die sich im Internet bieten. Dazu gibt es erste Kontakte mit Werbeagenturen. Wir produzieren ,Made in Germany‘.
Das wollen wir noch deutlicher herausstellen.“ Die Firma wird neu ausgerichtet, sagt auch ihr Vater Gunter Wolf. In der Firmengeschichte ist das schon öfter passiert. Moritz Thielemann gründete das Unternehmen 1897. Pferdegeschirre, Schulranzen und auch Treibriemen stellte er damals in seiner Ein-Mann-Firma her. Bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs die Belegschaft auf rund 120 Mitarbeiter an. Nach dem Krieg war nicht mehr viel übrig. Doch Moritz Thielemann baute das Unternehmen noch einmal neu auf. In der DDR-Zeit wurde viel für den Export hergestellt. Vor allem Taschen lieferte das Unternehmen bis in Bundesrepublik und nach Holland. Zum 1.Mai 1972 wurde aus dem Privatunternehmen ein volkseigener Betrieb.
Nach der Wende gab es die Rolle rückwärts, Wolfgang Thielemann, Enkel des Firmengründers, konnte die Firma zurückkaufen und erneut als Privatunternehmen führen. In diesem Jahr feiert die Ledermanufaktur Thielemann ihr 120. Jubiläum. „Ein guter Zeitpunkt für eine Weiterentwicklung“, sagt die Juniorchefin.
Thielemann Lederwaren
Made in Germany

Hier finden Sie uns